Informationsveranstaltung anlässlich des Welt-Autismus-Tages in Bonn          war ein voller Erfolg.

Der Saal der Johannesschule war mit etwa 300 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele hatten einen sehr weiten Weg auf sich genommen, um bei dieser Veranstaltung dabei sein zu können. Auch die Informationsstände durften sich über reges Besucherinteresse freuen. Die Kunstausstellung mit Werken Betroffener zog ebenfalls viele in Ihren Bann.
Die lebendige und informative Vortragsreihe fand beim Publikum großen Anklang. Der mit Spannung erwartete Beitrag des Diplom Psychologen Herrn Claus Lechmann (Leiter des Autismus Therapie Zentrums Köln) war dabei der erwartete informative Höhepunkt der Veranstaltung.
Bei der „Aktion Handlung", zugunsten der beiden vollstationären Wohnheime „Haus Hommeln“ und „Haus Combüchen“ des autismus Köln / Bonn e.V, wurde ein Betrag von 1.700,- Euro gespendet.
Das diese Veranstaltung so ein Erfolg wurde, ist nicht zuletzt den vielen helfenden Händen zu verdanken. 


Vortrag Diplom Psychologe Herrn Claus Lechmann (Leiter des Autismus Therapie Zentrums Köln) 

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Fotos vom Welt-Autismus-Tag in Bonn am 2. April 2009

 

 

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war auch der musikalische Beitrag der Mittelstufe der Johannesschule.

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Der Vortrag von Aya Al-Bawari anlässlich des Welt-Autismus-Tag                    am 2. April in Bonn

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Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank, dass Sie so zahlreich gekommen sind. Ich bin Aya Al- Barwari, die Schwester von einem autistischen Kind und möchte Ihnen jetzt einen Einblick in das Leben mit einem Autisten geben. Jeder von Ihnen weiß, dass es unterschiedliche Menschen auf der Welt gibt. Man sieht große und kleine, dicke und dünne, junge und alte. Es gibt Menschen, die sehr offen sind aber auch welche die zurückhaltend sind. Doch, dass es Menschen gibt die ihre eigene Welt haben, habe ich vor Sieben Jahren festgestellt. Am 01. 03. 2000 kam meine jüngste Schwester Gofran auf die Welt. Gofran war ein sehr hübsches Kind, ich war sieben Jahre alt als meine Mutter unsere neugeborene Schwester mit nach Hause

brachte.

 

Aya Al-Bawari bei ihrem Vortrag

Ich war überglücklich, weil mir in dem Augenblick klar wurde, dass wir einen neuen Spielkameraden hatten. Wenn wir im Garten spielten, verhielten wir uns wie andere Kinder und waren lebendig und aktiv.

Mit viel Spaß und Freude verlief die Zeit sehr schnell. Im Jahr 2002 fielen meiner Mutter immer wieder seltsame Verhaltensweisen bei Gofran auf.

Manchmal fing sie an zu weinen oder zu lachen, eine Grund dafür gab es in diesen Situationen nicht. Nach einiger Zeit spielte Gofran nicht mehr mit Kindern, weder mit den Fremden im Sandkasten noch mit uns zu Hause. Gofran fing an Taschentücher zu sammeln, sie in kleine Stücke zu zerreißen und damit an ihrer Fensterbank zu spielen. Auch mit ganz normalen Kinderspielzeugen spielte sie auf einer anderen Art und Weise. Legosteine, Stifte und Haribos ordnete sie nach Farben. Gofran liebt es Musik zu hören, auch dabei ignorierte sie uns, wenn wir sie ansprachen. Doch die größte und auffälligste Veränderung war Gofrans Sprache. Sie hörte ganz auf zu reden und zeigte nur noch auf Sachen die sie wollte wie zum Beispiel Essen oder Spielen. Sie sagte nicht mehr „ Mama“ was meine Mutter sehr verletzte. Auch unsere Namen waren Fremdwörter für sie. Meine Mutter suchte Kontakt bei verschiedenen Ärzten, um herauszufinden, warum Gofran sich so plötzlich verändert hatte. Viele Ärzte dachten am Anfang, Gofran sei taub und würde und deshalb ignorieren. Eine Operation sollte deshalb stattfinden. Doch noch am gleichen Tag, an dem die Operation stattfinden sollte, kam die Diagnose, dass Gofran unter frühkindlichem Autismus leidet. Wir waren alle geschockt, denn niemand von uns konnte sich unter diesem Begriff etwas vorstellen. Wir durchstöberten Bücher, erkundeten uns bei Ärzten und schauten uns Filme an, wie zum Beispiel „Rainman“. Langsam wurde uns klar was Autismus ist. Doch trotz dieser Veränderung versuchten wir Gofran wie andere Kinder zu behandeln und ihr weiterhin ein fröhliches Leben zu bieten. Jahre vergingen mit neuen Erfahrungen, viel Spaß und natürlich mit unterschiedlichen Therapien wie z. B. Das ATZ, Delfintherapie, Hippotherapie, Ergotherapie und seit Januar diesen Jahres die Verhaltenstherapie ABA. Dank allen Therapien hat Gofran sehr viele Fortschritte gemacht. Sie benennt die Dinge die sie braucht, sie ist offener geworden, spielt mit uns im Garten und schläft auch alleine. Nun ist Gofran 9 Jahre alt und besucht die zweite Klasse. Unser Alltag hat sich sehr verändert. Der Tag fängt bei uns um 6:00 oder 7:00 Uhr an, manchmal aber auch früher. Gofran schafft es sich morgens mit Hilfe anzuziehen und die Zähne sogar alleine zu putzen. Zum Frühstück isst sie gerne Joghurt, Tomaten mit viel Salz oder Wurst. In ihrer Freizeit liebt sie es massiert zu werden und fordert uns sogar auf sie zu kitzeln. Seit kurzem hat Gofran eine Vorliebe für Puzzle gefunden.

Die Zuhörer

Das schönste beim spielen ist ihr süßes Lachen, was uns alle sehr glücklich macht und uns den Tag verschönert. Natürlich gibt es auch Momente, bei denen Gofran typische autistische Verhaltensweisen zeigt. Dabei zieht sie sich in ihre eigene Welt zurück und spielt für sich alleine mit ihren Schnürsenkel oder Taschentüchern. Es gibt Tage, an denen sie die Ohren zuhält und stundenlang weint. Heute wissen wir, dass Gofran Gründe hat zu weinen, die wir leider nicht immer kennen. Solche Momente sind,Gott sei Dank, eine Seltenheit bei Gofran, deshalb vergehen die Tage zu Hause Problemlos. Abends vor dem Schlafen muss Gofran immer geduscht oder gebadet werden, da sie das Wasser über alles liebt. Sie schläft alleine in ihrem Zimmer, doch nicht immer schläft sie durch. Aber auch das ist für uns eine Gewohnheit geworden. Autismus ist für uns keine Behinderung und wir wollen Gofran auch nicht besonders behandeln. Wir sehen sie als ein Geschenk Gottes, als ein gesundes Kind, was sich nur anders verhält.

Ich wünsche mir, dass diese Veranstaltung etwas in unserer Gesellschaft bewirkt und hoffe dass vor allem die Bildung von Autisten in Zukunft besser gefördert wird.

Vielen Dank. 

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Die Infowand

ABA Eltern e.V. www.aba-eltern.de

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Besonders Anders http://besondersanders.wordpress.com  

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Meine Welt ist anders  http://meine-welt-ist-anders.homesietes.de

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Selbsthilfegruppe für erwachsene Autisten www.autismus-koelnbonn.de

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Der Vortrag von Arndt Pippert anlässlich des Welt-Autismus-Tag                    am 2. April in Bonn

Guten Abend meine Damen und Herren!

Meine Name, ist Arndt Pippert. Ich bin 44 Jahre alt, wohne in Köln und möchte Ihnen heute Abend kurz unsere Selbsthilfegruppe für erwachsene Autisten vorstellen.

Die Gruppe gehört zum Kölner Autismus-Therapie-Zentrum und wurde im April 2004 gegründet. Die meisten Mitglieder lassen sich mit dem in Verbindung bringen, was man heutzutage oft als Asperger-Syndrom bezeichnet. Seit April 2007 nehme ich als Betroffener regelmäßig an den Treffen der Gruppe teil. Im April 2008 habe ich die Leitung der Gruppe übernommen.

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  Vortrag Arndt Pippert

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Eine Selbsthilfegruppe befindet sich immer in einem fortwährenden Prozess der Veränderung und der Entwicklung. In der Vorstellung unserer Gruppe möchte ich mich auf ihre aktuelle Form konzentrieren, wie sie sich seit etwa einem Jahr entwickelt hat. Der größte Teil von uns besitzt eine durch einen Mediziner erstellte Diagnose, allerdings ist eine solche für die Teilnahme an den Gruppe keine Voraussetzung. Zu den monatlich stattfindenden Treffen kommen etwa zwischen 8 und 15 Personen. Die Gruppe zeichnet sich durch eine Atmosphäre der Beständigkeit, Offenheit und Vertrautheit aus. Die Themen, über die wir uns austauschen, ergeben sich meist spontan und variieren von alltäglichen Dingen bis hinzu tiefgründigen Erörterungen.

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Dabei hat sich im Laufe der Zeit eine Form der Kommunikation entwickelt, die es jedem erlaubt, sich einzubringen ... wovon übrigens erfreulicherweise auch rege Gebrauch gemacht wird. Wir sind darum bemüht, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und uns mit (vorschnellen) Bewertungen zurückzuhalten. Als wertvoll hat sich in diesem Zusammenhang die Tatsache erwiesen, dass die Gruppe nicht nur durch eine Person begleitet und moderiert wird. Dies fördert zum einen ein Nebeneinander mehrerer Sichtweisen und begünstigt zum anderen eine lebendige Gesprächskultur.

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Meine Tätigkeit wird durch Frau Gawronski ergänzt, die dem Team der Autismus-Sprechstunde der Uniklinik Köln um Professor Vogeley angehört. Zudem nimmt häufig auch eine Vertreterin des Autismus-Therapie-Zentrums teil.

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Ein zentrales Thema ist selbstverständlich der Bereich "Diagnose und Therapie". Sowohl die Erörterung von Möglichkeiten als auch der Erfahrungsaustausch stärken die Position unserer Gruppenmitglieder gegenüber Therapeuten und Institutionen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder deutlich, welche Defizite noch bestehen: Zum einen herrscht bei vielen Ärzten und Therapeuten noch eine weitgehende Unkenntnis über das Thema "Autismus im Erwachsenenalter"; zum anderen existiert bislang nur ein geringes Angebot an speziell auf diesen Personenkreis zugeschnittenen Therapiemöglichkeiten. Viele Betroffene fühlen sich daher nach einer erfolgten Diagnosestellung alleine gelassen.

An mehreren Orten (so auch an der Uniklinik in Köln) laufen derzeit verstärkt Bemühungen, diesen Defiziten entgegenzuwirken. Zumindest ein Anfang ist also bereits gemacht.

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Ein weiteres, immer wieder gern behandeltes Thema ist das Verhältnis zur Umgebung, zu Personen, Personengruppen und Institutionen. Dabei gelingt es oft, bislang eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen und im Laufe der Zeit auch zu durchbrechen. Solche Muster haben sich im Laufe des Lebens nicht nur beim Betroffenen selbst sondern auch in seiner Umgebung festgesetzt (wie z. B. in seinem Freundeskreis und seiner Familie).

Ein wesentliches Anliegen ist der Kontakt zu Mitbetroffenen. Im Rahmen der Selbsthilfegruppe sind wir eben nicht mehr "anders als die anderen", sondern befinden uns in einer "Gemeinschaft der Gleichartigen".

Diesen Aspekt betrachte ich als sehr wichtig, da es sich für viele Betroffene als eine sehr wertvolle Erfahrung erweist, die eigene Andersartigkeit ("andersartig" im Vergleich zu der Mehrheit der sie umgebenen Menschen) nicht mehr nur als etwas Trennendes zu erfahren sondern auch als etwas Verbindendes.

Dazu möchte ich kurz auf den momentan häufig diskutierten Begriff der "Sozialen Inklusion" eingehen: Sollte es dabei eher auf eine Art "Schmelztiegel" hinauslaufen, in dem die Entwicklung auf eine Assimilation zielt, sehe ich darin eine große Gefahr. 

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Hingegen jedoch einen guten Ansatz, falls damit eine Art "Regenbogen" gemeint ist, in dem jeder seiner Individualität entsprechend seinen Platz in der Gemeinschaft finden kann. Da sich die Wissenschaft in einer sehr dynamischen Entwicklung befindet und Vieles bislang noch kaum oder gar nicht erforscht ist, sollte man meines Erachtens mit Diagnosen und anderen Zuordnungen noch sehr vorsichtig umgehen. Ich möchte dabei z. B. das Modell des sogenannten "Autistischen Spektrums" erwähnen, das auf eine Zuordnung zu Untergruppen verzichtet. Auch möchte ich auf Forschungen hinweisen, die Bezüge zwischen dem untersuchen, was man heutzutage als Autismus bezeichnet, und dem, was man heutzutage als ADHS bezeichnet.

Vielleicht erweist sich der Begriff "Autismus" später einmal als überholt und wird durch andere Klassifikationen ersetzt. So erging es bekanntlich im Laufe der Jahrzehnte bereits etlichen Begriffen. Ich möchte aufgrund meiner Erfahrungen zudem dazu anregen, die einzelnen, dem Autismus zugrunde liegenden Phänomene soweit wie möglich eher (neutral) als Eigenschaft zu betrachten und diese nicht (wie meist üblich) direkt in einen wertenden Kontext zu setzen.

Gerade in der Medizin liegt der Fokus noch immer sehr stark auf der Beschreibung von irgendwelchen Störungen, die dann irgendwie geheilt (oder zumindest gemildert) werden sollen.

Wie sich etwas entwickelt, hängt meines Erachtens sehr stark vom Zusammenspiel mehrerer innerer und äußerer Faktoren ab. Als Stichworte seien beispielsweise "innere Stimmigkeit" und "äußere Resonanz" genannt. So kann sich vielleicht aus den gleichen Grundphänomenen in einem Fall eine erfolgreich gelebte Hochbegabung entwickeln, verbunden mit einem gesunden Selbstwertgefühl, im anderen Fall jedoch verkümmern viele Potenziale und der Betroffene gerät aufgrund seines geringen Selbstwertgefühls leicht in einen permanenten Konflikt mit seiner Umgebung und nicht zuletzt auch mit sich selbst. Unsere Selbsthilfegruppe möchte einen Beitrag dazu leisten, uns selbst besser kennen zu lernen und anzunehmen. Auf diese Weise kann die beim Autismus sehr bedeutsame Balance zwischen Autonomie und sozialer Einbindung besser gehalten werden.

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Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass ich Ihnen einen kurzen Einblick in die Arbeit unserer Gruppe geben konnte.

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Im November 2007 erklärte die UN den 2. April zum Tag an dem "die Mitgliedsstaaten jährlich dazu ermutigt werden sollen, in ihren Ländern das Bewusstsein für autistische Kinder zu schärfen".

Eine Ermutigung, die im Gegensatz zu vielen anderen Staaten in Deutschland ungehört verhallt.  Eine Google-Suche nach „Autismus-Tag 2009“ ergibt sechs Wochen vor diesem Termin nicht einen einzigen Treffer. Dies wird sich in den nächsten Tagen zumindest ein bisschen ändern:

In Bonn setzen betroffene Eltern am 02. April diese Bitte der UN konkret um.

In der ehemaligen Hauptstadt hat sich in den letzten drei Jahren durch das Engagement zahlreicher Eltern eine vergleichsweise gute Infrastruktur zum Thema Autismus gebildet. So gibt es zwei Autismus-Selbsthilfegruppen und ein Autismus-Therapie-Zentrum, welches dem großen  Bedarf allerdings nur mit Wartezeit nachkommen kann.  Bei Beratungsstellen und  Behörden kann man sich über die Möglichkeiten  informieren, wie z.B. die Finanzierung der anerkannten Verhaltenstherapie ABA/VB (steht für Applied Behavior Analysis/Verbal Behavior) oder notwendiger Schulbegleiter. 

Diese Infrastruktur und Hilfestellungen vorzustellen, ist den Eltern der Selbsthilfegruppen für Autismus Köln/Bonn, welche den Abend auf die Beine stellen werden, sehr wichtig. Fachleute mit ausgewiesener Expertise  wie z.B. der Leiter des Autismus-Therapie-Zentrums Köln, Dipl.- Psychologe Herr Claus Lechmann oder die Autismus-Fachberaterin des Schulamts der Stadt Bonn, Frau Martina Salchow, werden Perspektiven aber auch bestehende Hindernisse aufzeigen. 

Doch war es den Organisatoren auch ein besonderes Anliegen, gerade den Betroffenen selbst einen gebührenden Platz auf der Bühne und in einer begleitenden Kunstausstellung zu bieten.

Information und Vernetzung sind die wichtigsten Stützpfeiler der Betroffenen und ihrer Familien.

Darum ist es umso bedauerlicher, dass ansonsten wohl ein hörbares Echo auf die UN-Empfehlung in unserem Land ausbleibt. Scheitert es an der komplexen Herausforderung, da es DIE autistischen Kinder gar nicht gibt?

Neugeborene sind immer erst einmal eine „Black-Box-Wundertüte“. Vor allem wenn bei einem Erstgeborenem der Vergleich fehlt, ist da am Anfang oft nicht mehr als ein unbestimmtes Gefühl. Hier wäre nun der Kinderarzt der erste Ansprechpartner. Recherchiert man im Kreise von Betroffenen, scheinen die wenigsten Ärzte auf dieses Thema vorbereitet zu sein. Klassische Aussage:  „Das wird schon.“

Je schwerer betroffen das Kind ist, desto eher hat man im Laufe seiner Odyssee die Chance, doch irgendwann in die kompetenten Hände z.B. eines Autismus-Therapie-Zentrums zu gelangen. Kinder, deren Auffälligkeiten nicht so eindeutig sind, haben einen bedeutend längeren Leidensweg vor sich. Da wird Eltern die Erziehungskompetenz abgesprochen, vermeintliche Fachleute stellen die Weichen falsch, indem sie typischen Missverständnissen „der schaut mir in die Augen, der kann kein Autist sein“ oder „Autisten mögen keinen Körperkontakt“  obliegen. 

Dabei wäre eine möglichst frühe Diagnose sehr wichtig. Erst dann können konkrete Hilfsangebote wahrgenommen werden und alle können sich differenzierter mit der Symptomatik auseinander setzen. Aber auch die erfolgte Diagnose ist nur ein Meilenstein auf einer langen Reise. Die weniger Beeinträchtigten unter ihnen fragen sich, warum etwas als Krankheit bezeichnet wird, an dem man nicht im eigentlichen Sinne erkrankt, wie z. B. an Krebs.  Im Gegenteil,  bestimmte Veränderungen im Gehirn, die für den Autismus ursächlich sind, ermöglichen manchmal wirklich geniale Denkvorgänge.

Und viele Menschen, die auf Grund von außergewöhnlichen Denkleistungen berühmt geworden sind, würden heute in das Autismus-Spektrum eingeordnet werden. 

Was ist Autismus denn nun? Eine Krankheit, eine Behinderung, eine neuronale Differenzierung? Das hängt von der Perspektive und den Kriterien der Definierenden ab. 

Im Familienalltag sind solche Definitionsrangeleien meist zweitrangig. Je nach Schweregrad der Beeinträchtigung lauern bei jedem Entwicklungsschritt neue Herausforderungen wie beispielsweise den richtigen Kindergarten oder, was noch schwieriger ist, eine annähernd adäquate Schule auszuwählen.

Die halbherzige Diskussion in Deutschland mit irreführend übersetzten UN-Texten um die aktuelle Konvention zur vollen Teilhabe („Inclusion“) von Menschen mit Behinderung lässt  grüßen. Gerade bei frühkindlichen Autisten ist die Intelligenz mit „normalen“ Maßstäben kaum zu messen, und so landen nicht wenige in einer Beschulungsform, die ihren Möglichkeiten nicht gerecht wird. Genauso wie nicht autistische Kinder, können und wollen auch sie etwas leisten und strahlen vor Stolz über das Erreichte. Nur brauchen sie dafür ihre eigenen Rahmenbedingungen.

Möchte man wie von der UN gefordert, das Bewusstsein für autistische Kinder schärfen, muss man die nicht autistische Welt für die Notwendigkeit dieser Rahmenbedingungen sensibilisieren. Kein Mensch verlangt von einem gelähmten Kind, dass es von alleine ohne Rollstuhl durch die Welt läuft, aber zu viele verlangen von einem autistischen Kind, dass es sich ohne Hilfen und möglichst unauffällig mit den Bedingungen unserer nicht autistischen Welt zurecht findet. Schafft es das nicht, wird ihm die Teilhabe verwehrt. Der Welt-Autismus-Tag hat also alle Aufmerksamkeit nötig.

Daten zur Veranstaltung:

Ein Projekt der Selbsthilfegruppen betroffener Eltern des Regionalverbandes

autismus Köln/ Bonn e.V.,

in Zusammenarbeit mit der Johannesschule Bonn

Projektleiter: Peter Schumacher;

Organisation Kunstausstellung: Angela Sichelschmidt

Veranstaltungsort: Johanneschule Bonn, Rehfuesstraße 38, 53115 Bonn

Aus organisatorischen Gründen wird um eine formlose, unverbindliche Anmeldung unter www.fruehkindlicherautismus.de gebeten.   Einlass: ab 18:30 Uhr -   Eintritt frei                       

Background: Autismus ist eine Spektrums-Thematik und  sehr pointiert auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Es ist nicht die Frage, ob ein Mensch autistisch ist, sondern wie viel.  Insofern ist die Frage nach der Häufigkeit sehr schwer zu beantworten. In Abhängigkeit davon, wen und in welchem Land man fragt, variiert die Bandbreite von 1:10.000 beispielsweise in Deutschland bis hin zu  1 :150 bei gewissen Gruppierungen in Amerika.

Pressekontakt: Judith Braun unter welt-autismus-tag@t-online.de

Zur Veröffentlichung, honorarfrei, Belegexemplar oder Hinweis erbeten.

Vielen Dank

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RESOLUTION 62/139

Verabschiedet auf der 76. Plenarsitzung am 18. Dezember 2007, ohne Abstimmung, auf Empfehlung des Ausschusses (A/62/435,Ziff. 32)161.

62/139. Welttag der Aufklärung über Autismus

Die Generalversammlung,


unter Hinweis auf das Ergebnis des Weltgipfels 2005 (162) und die Millenniums-Erklärung der Vereinten Nationen (163) sowie auf die Ergebnisse der großen Konferenzen und Gipfeltreffen der Vereinten Nationen im Wirtschafts- und Sozialbereich und auf damit zusammenhängenden Gebieten,

sowie unter Hinweis auf das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (164) und das Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (165), wonach Kinder mit Behinderungen ein erfülltes und menschenwürdiges Leben unter Bedingungen führen sollen, welche die Würde des Kindes wahren, seine Selbständigkeit fördern und seine aktive Teilnahme am Leben der Gemeinschaft erleichtern, sowie gleichberechtigt mit anderen Kindern alle Menschenrechte und Grundfreiheiten in vollem Umfang genießen sollen,

erklärend,dass die Gewährleistung und Förderung der vollen Verwirklichung aller Menschenrechte und Grundfreiheiten für alle Menschen mit Behinderungen eine wesentliche Voraussetzung für die Erreichung der international vereinbarten Entwicklungsziele ist,
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in dem Bewusstsein, dass Autismus eine lebenslang andauernde Entwicklungsstörung ist, die sich in den ersten drei Lebensjahren manifestiert und auf eine neurologische Störung zurückzuführen ist, die sich auf die Gehirnfunktion auswirkt, von der hauptsächlich Kinder in vielen Ländern unabhängig von Geschlecht, Rasse und sozioökonomischer Stellung betroffen sind und die durch Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion, Probleme bei der verbalen und nonverbalen Kommunikation und eingeschränkte, repetitive Verhaltensweisen, Interessen und Aktivitäten gekennzeichnet ist (166),                                                           X

in großer Sorge über die weite Verbreitung und die hohe Zahl der von Autismus betroffenen Kinder in allen Weltregionen und über die Herausforderungen auf dem Gebiet der Entwicklung, die sich daraus für die von den Regierungen, nichtstaatlichen Organisationen und dem Privatsektor durchgeführten langfristigen Gesundheits-, Aus- und Fortbildungs- und Interventionsprogramme ergeben, sowie über die enormen Auswirkungen auf die Kinder, ihre Familien, Gemeinwesen und Gesellschaften,                                            X

unter Hinweisdarauf, dass Früherkennung sowie geeignete Forschungs- und Interventionsmaßnahmen für das Wachstum und die Entwicklung der einzelnen Betroffenen von entscheidender Bedeutung sind,              X

1. beschließt, den 2. April zum Welttag der Aufklärung über Autismus zu erklären, der ab 2008 jährlich zu begehen ist;                                                                                                                                                    X

2. bittet alle Mitgliedstaaten, zuständigen Organisationen des Systems der Vereinten Nationen und sonstigen internationalen Organisationen sowie die Zivilgesellschaft, einschließlich der nichtstaatlichen Organisationen und des Privatsektors, den Welttag der Aufklärung über Autismus in angemessener Weise zu begehen, um die Öffentlichkeit stärker für Autismus zu sensibilisieren;                                                                                 x

 3. legt den Mitgliedstaaten nahe, in der gesamten Gesellschaft, einschließlich auf der Ebene der Familien, das Bewusstsein für den Autismus bei Kindern durch entsprechende Maßnahmen zu schärfen;                   X

4. ersucht den Generalsekretär, diese Resolution allen Mitgliedstaaten und Organisationen der Vereinten Nationen zur Kenntnis zu bringen.                                                                                                                 x

(161) Der in dem Bericht empfohlene Resolutionsentwurf wurde im Ausschuss eingebracht von: Afghanistan, Ägypten, Algerien, Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Bahrain, Barbados, Belarus, Belize, Benin, Bolivien, Brasilien, Costa Rica,Côte ’Ivoire, Demokratische Republik Kongo, Dominikanische Republik, Dschibuti, Ecuador, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, El Salvador, Eritrea, Guatemala, Haiti, Honduras, Indonesien, Irak, Iran (Islamische Republik), Jamaika, Jemen, Jordanien, Kamerun, Kap Verde, Katar, Kenia, Lesotho, Libanon, Liberia, Libysch-Arabische Dschamahirija, Malawi, Mali, Marokko, Myanmar, Nicaragua, Niger, Oman, Republik Korea, Saudi-Arabien, Sudan,Swasiland, Syrische Arabische Republik, Thailand, Timor-Leste, Tunesien, Uganda, Vereinigte Arabische Emirate und Vietnam.                              x 

(162) Siehe Resolution 60/1.                                                                                                                           x

(163) Siehe Resolution 55/2.                                                                                                                          X

(164) United Nations, Treaty Series, Vol. 1577, Nr. 27531. Amtliche deutschsprachige Fassungen: dBGBl. 1992 II S. 121; LGBl. 1996 Nr. 163; öBGBl. Nr. 7/1993; AS 1998 2055.                                                     x 

(165) Resolution 61/106, Anlage I. Amtliche deutschsprachige Fassung: öBGBl. III Nr. 155/2008.